Autor Thema: Vermögensarten  (Gelesen 6556 mal)

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Vermögensarten
« am: Mai 19, 2004, 10:16:43 Vormittag »

Vermögensarten

Da Anlageformen die Aufbewahrung von Ersparnissen beschreiben und jede Aufbewahrung von Ersparnissen Vermögen darstellt, können Vermögensarten und Anlageformen einander gegenübergestellt werden:





Merksatz: Anlageformen entsprechen Vermögensarten.

In der obenstehenden Abbildung ist klar zu erkennen, daß Investments in Aktien und Aktienfonds Produktiv-Vermögen sind, kein Geld-Vermögen.

Merksatz: Beteiligungspapiere sind Produktiv-Vermögen und damit Anteilsvermögen, Beteiligungspapiere sind kein Geld-Vermögen!
 
Folglich können Sie mit Beteiligungspapieren sowohl begrifflich als auch sachlich kein Geld verlieren! Dennoch sprechen und schreiben zahllose »Wirtschaftsredakteure« und andere vermeintliche »Experten« immer wieder davon, jemand habe mit Aktien und Aktienfonds Geld verloren. Das ist vollkommen unmöglich! Wer solchen Unsinn schreibt, hat wirtschaftliche Grundlagen nicht verstanden.  
 
Deshalb hier nochmal ausgewählte, stark vereinfachte Grundlagen:
[list=1]
  • Es lassen sich unterscheiden: der nominale Wert, der reale Wert und der ideelle Wert. Der nominale Wert ist der allgemein sichtbare, schriftlich fixierte Preis. Der reale Wert offenbart sich immer erst durch gegenseitige Übereinkunft zum Zeitpunkt der Vermögensübergabe. Der ideelle Wert ist der zum jeweiligen Zeitpunkt individuell beigemessene Wert.
  • Der nominale Wert kann dauerhaft festgeschrieben sein, wie beispielsweise auf einem Geldschein, einer Münze oder einer Schuldverschreibung. Er kann aber auch nur vorübergehend festgeschrieben sein, wie beispielsweise in einem Konto- oder Depotauszug, in der Kursnotiz einer Börse oder auf dem Preisschild eines Kunstgegenstands.
  • Alle nicht sofort verkonsumierte Kaufkraft wird als eine der drei Vermögensarten aufbewahrt. Entscheidend für die zukünftige Kaufkraft, also für den Tauschwert, ist bei allen drei Vermögensarten der reale Wert zum Zeitpunkt der Vermögensübergabe!

  • Wenn Sie Ihre nicht sofort verkonsumierte Kaufkraft als Produktiv-Vermögen aufbewahren, dann besitzen Sie jeweils einen bestimmten realen Unternehmensanteil. Solange es keine Kapitalerhöhung gibt, an der Sie nicht teilnehmen, bleibt Ihr Unternehmensanteil immer gleich, egal wie sich der nominale Wert entwickelt, beispielsweise der Kurs einer Aktie.

  • Ob der nominale Wert beispielsweise einer Aktie, die Sie besitzen, auf der Kurstafel einer Börse vorübergehend niedriger notiert, ist genauso bedeutungslos, wie wenn sich das Preisschild an einem Kunstgegenstand ändert. Solange Sie nichts kaufen oder verkaufen, bleibt die nominale Preisänderung ohne Einfluß auf Ihr Vermögen und Ihre Kaufkraft.[/list:o]
    Die nachfolgende Abbildung soll das veranschaulichen:





    Merksatz: Entscheidend für die zukünftige Kaufkraft ist der reale Wert zum Zeitpunkt der Vermögensübergabe.

    Also kann ein sinkender nominaler Wert, beispielsweise der sinkende Kurs eines Wertpapiers, nur jenen Menschen Sorgen bereiten, die ihre Kaufkraft als Produktiv-Vermögen oder als Sach-Vermögen aufbewahren, obwohl sie erstmal Geld-Vermögen brauchen. Finanziell kompetente Menschen hingegen werden zunächst genügend Geld-Vermögen beiseite legen und anschließend immer den Teil ihrer Kaufkraft als Produktiv-Vermögen oder als Sach-Vermögen aufbewahren, den sie dauerhaft übrig haben und somit nicht ungewollt liquidieren müssen!

    Genau diese zielorientierte Vorgehensweise gibt finanziell kompetenten Menschen die Möglichkeit, jedem auch noch so schweren Börsencrash sorglos zuzuschauen. Und daraus auch noch Vorteile zu ziehen, siehe Cost-Average-Effekt!


    Zurück zu den Vermögensarten. Die Vermögensverteilung auf die drei Vermögensarten sah beispielsweise bei den Deutschen zur Jahrtausendwende so aus:





    Merksatz: In entwickelten Volkswirtschaften ändert sich die Vermögensverteilung auf Sach-, Geld- und Produktiv-Vermögen nur langfristig.

    Die nächste Abbildung zeigt nur noch das Geld- und Produktiv-Vermögen, heruntergebrochen auf die verschiedenen Anlageformen:





    Merksatz: Die Vermögensverteilung innerhalb der drei Vermögensarten kann sich hingegen bei besonderen Ereignissen schon kurzfristig deutlich verändern.

    Solche besonderen Ereignisse sind erfahrungsgemäß vor allem Änderungen der Steuergesetzgebung, Börsenboom bzw. Börsencrash und Krieg.
     
    Von den zur Jahrtausendwende 3.600 Milliarden Euro Geld- und Produktiv-Vermögen der privaten deutschen Haushalte war demnach der deutlich größere Teil Geldvermögen und weniger als 20% Produktiv-Vermögen, also in Form von Unternehmensbeteiligungen investiert. Auch Aktienfonds sind nicht zu 100% in Aktien investiert, vielmehr sind viele Aktienfonds tatsächlich deutlich »gemischte Fonds«.

    Bezogen auf das Gesamtvermögen in Höhe von 9.150 Milliarden Euro waren sogar nur etwa 7% investiertes Produktiv-Vermögen. Für Volkswirtschaften, die sich auf ihrem dereinst erreichten Wohlstand ausruhen wollen, ist das vielleicht genug. Für Volkswirtschaften, die wachsen, Verteilungsprobleme beseitigen und Arbeitslose in Beschäftigung führen wollen, ist das sichtbar zu wenig.

    Ganz gleich, in welcher Form Sie Ihre Ersparnisse zukünftig beiseite legen, denken Sie unter Berücksichtigung Ihrer Zielsetzung vorher selbst über die Sinnhaftigkeit jener Aufbewahrung von Kaufkraft nach. Verlassen Sie sich nie darauf, daß sich Ihre »Berater« gründlich informiert haben. Das haben sie nämlich regelmäßig nur im Hinblick auf deren eigene Zielsetzung. Und die wird sich von Ihrer Zielsetzung deutlich unterscheiden.

    Merksatz: Welche Vermögensart, und damit auch Anlageform, Sie für Ihre nicht sofort verkonsumierte Kaufkraft wählen, sollten Sie von Ihrer jeweiligen Zielsetzung abhängig machen.

    Zur Zielsetzung siehe auch Definition »Finanzielle Kompetenz«, Sparziele und Zielhierarchie finanzieller Vorsorge.


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Vermögensbildung verlangt doppelte Bildung. Kompetenzbildung und Kapitalbildung. In dieser Reihenfolge.

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