FAQ - Häufige Fragen und ihre BeantwortungFrage 1: Ich habe verstanden, warum ich nach langfristigem und regelmäßigem Sparen und Investieren in volatile Beteiligungspapiere selbst unmittelbar nach einem schweren Börsencrash immer noch ein Vielfaches des Vermögens haben werde, welches ich ansonsten mit meinen Sparbriefen, meiner Lebensversicherung und meiner privaten Rentenversicherung erreichen kann. Aber bei ständig fallenden Kursen habe ich immer noch die Sorge, daß Aktien und Aktienfonds irgendwann gar nichts mehr wert sein könnten und ich ausgerechnet dann mit hohem Verlust verkaufen muß. Das ist doch zumindest möglich, nicht wahr?Antwort: Nein, selbst mit reichlich Phantasie ist solch eine Situation nicht vorstellbar. Und das hat, kurz gesagt, folgende Gründe:
Erstens verlangt finanzielle Kompetenz, daß jeder Mensch, der Vermögen bilden oder für das Alter vorsorgen und entsprechend über die Börse investieren will,
zuerst ein hinreichendes Finanzpolster für unerwartete notwendige Ausgaben und den vorübergehenden Einkommensverlust beiseite legen muß und dann auch nur jene Ersparnisse über die Börse investieren darf, die sie oder er langfristig
übrig hat, also nicht für geplante Konsumwünsche ausgeben will. Genau das trifft für alle Ersparnisse zur Vermögensbildung und Altersvorsorge zu. Von plötzlichem »verkaufen müssen« kann also überhaupt keine Rede sein.
Zweitens können Sie aufgrund des Cost-Average-Effekts die Rückzahlung und
reale Vermehrung Ihrer investierten Sparraten selbst dann erreichen, falls der Kurs des von Ihnen gewählten Beteiligungspapiers während Ihrer
gesamten Ansparzeit insgesamt fällt! Natürlich wird das bei einer Ansparzeit von 20 oder noch mehr Jahren ohnehin bei kaum einem Beteiligungspapier der Fall sein.
Drittens können Sie aufgrund des Prinzips zielorientierter Streuung die Rückzahlung und reale Vermehrung Ihrer investierten Sparraten selbst dann erreichen, falls die Kurse
mehrerer von Ihnen gewählter Beteiligungspapiere während Ihrer
gesamten Ansparzeit
durchweg fallen sollten und der Kurs nur
eines Beteiligungspapiers zum Ende Ihrer Ansparzeit deutlich gestiegen ist.
Viertens überlegen Sie doch mal, was es bedeuten würde, wenn »Aktien und Aktienfonds irgendwann gar nichts mehr wert« sind. Dann wären auch die Unternehmen »gar nichts mehr wert«. Das heißt dann auch, daß
niemand auf der ganzen Welt den Unternehmen noch zutraut, irgendwann in der Zukunft irgendeinen Wert zu schaffen. Also auch deren Mitarbeitern nicht, auch
Ihnen nicht.
Wenn niemand Ihnen und den anderen Mitarbeitern mehr zutraut, zukünftig irgendeinen Wert zu schaffen, wird niemand Sie und die anderen Mitarbeiter einstellen. Also gibt es dann auch keine Angestellten mehr und keine Arbeitsteilung. Alle Unternehmen auf der ganzen Welt werden »zubetoniert«.
Fünftens müssen Sie sich über folgendes im klaren sein: Eine
Zinszusicherung kann und wird Ihnen nur jemand geben, der
sicher ist, zukünftig
deutlich mehr als jene Zinsen zu erwirtschaften. Denn schließlich muß er nicht nur all seine Kosten decken, sondern will auch noch einen üppigen Gewinn einstreichen. Kein Mensch und kein Unternehmen will nur seinen
Schulden dienen, sondern vorrangig seinem
Vermögen! Ersteres erwirbt ein Unternehmen mit Forderungspapieren (Sparbriefe, Bausparverträge, Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen und so weiter). Letzteres erwirbt ein Unternehmen mit Beteiligungspapieren (Aktien und Aktienfonds). Schon solche simplen anreiztheoretischen Überlegungen machen verständlich, warum die juristische Vorrangigkeit von Schulden zum Zeitpunkt eines bereits eingetretenen Konkurses weit hinter der wirtschaftlichen Vorrangigkeit von Vermögen zu allen übrigen Zeitpunkten zurücksteht.
Falls Sie allen Ernstes
glauben, daß Beteiligungspapiere irgendwann "gar nichts mehr wert sein könnten", sollten Sie endlich
wissen, daß aus weltwirtschaftlicher Sicht Forderungspapiere dann
schon lange vorher gar nichts mehr wert sind! Was aus
nationaler Sicht gilt, sehen Sie in den Tabellen "Risikoübersicht Forderungspapiere" und "Risikoübersicht Beteiligungspapiere" im Abschnitt "Forderungspapiere oder Beteiligungspapiere?".
Merksatz: Eine Zinszusicherung gibt nur derjenige, der sicher ist, selbst eine deutlich höhere Rendite zu erzielen!Schließlich muß er all seine Kosten decken und will auch noch einen üppigen Gewinn einstreichen. Wollen Sie etwa ihm zuliebe auf den Gewinn verzichten?
Frage 2: Kann es nicht sein, daß sich alle von mir gewählten Beteiligungspapiere während der 20 oder mehr Jahre, die ich investiere, so schlecht entwickeln, daß ich am Ende trotzdem immer noch arm bin?Merksatz: Solche vollkommen unbegründeten Ängste werden immer von jenen geschürt, die Zinszusicherungen geben - weil sie davon leben!Antwort: Gegenfrage: Kann es nicht sein, daß sich die Inflation während der 20 oder mehr Jahre, in denen Sie
sparen, so entwickelt, daß Sie am Ende
nichts von all Ihren nominalwertgesicherten Anlageformen haben? Also
Null Euro. Beides ist etwa gleich wahrscheinlich, hat nämlich eine Wahrscheinlichkeit von 0,0...%.
Natürlich ist davon auszugehen, daß es auch zukünftig einmal eine lang anhaltende weltweite Rezession mit dauerhaft fallenden Kursen gibt. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, daß Sie durch regelmäßige Investitionen in hinreichend volatile Beteiligungspapiere selbst dann eine überraschend hohe effektive Durchschnittsrendite erzielen können, wenn der Kurs des betreffenden Anlagetitels zu
jedem Zeitpunkt
unter Ihrem ersten Einstandspreis verbleibt! Das gilt noch viel mehr, sobald Sie zielorientiert streuen. Sehen Sie sich im Abschnitt
Cost-Average-Effekt unbedingt die Entwicklung des durchschnittlichen Einstandspreises im Verhältnis zur Kursentwicklung an. Diesen Gewinn an Geld und insbesondere an
Sicherheit können Sie für sich selbst nutzen, indem Sie zielorientiert gestreut investieren.
Oder um es so überdeutlich (aber sachlich genauso korrekt) zu sagen, daß es in Erinnerung bleibt: Wenn Sie regelmäßig zielorientiert gestreut investieren, dann ist der Grund für Ihre Sorge ein
Witz im Vergleich zu Ihrer Überzeugung, daß Sie den morgigen Tag erleben werden. Und wären Sie von letzterem nicht überzeugt, welchen Grund hätten Sie dann, mir heute noch Fragen zu stellen?
Frage 3: Wenn mir der Staat für eine bestimmte Anlageform eine Sparzulage oder eine steuerliche Begünstigung gewährt, zum Beispiel im Rahmen der »Riester«-Rentenreform, sollte ich das dann nicht mitnehmen und nur meine darüber hinausgehende Ersparnis zielorientiert investieren?Antwort: Für diese Frage bin ich Ihnen besonders dankbar, weil Sie damit eine weitverbreitete Illusion von Millionen Menschen ansprechen. Die von Ihnen genannte »Riester«-Rentenreform ist nur ein weiteres trauriges Beispiel für die Irreführung armer Sparer. Die »Riester«-Rentenreform, die für die Bürger dieses Landes
vermeintlich eine so große Bedeutung hat, wird in Wirklichkeit die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnen. Insofern hat sie tatsächlich eine große Bedeutung, nur nicht unbedingt im
positiven Sinne.
Merksatz: »Staatliche« Sparförderung ist erstens eine Illusion und zweitens systematische Verarmung sowohl der vermeintlich Geförderten als auch der Volkswirtschaft insgesamt.Auch mit der »Riester«-Rentenreform ist kein Blumentopf zu gewinnen, was die mit den geförderten Anlageformen erreichbaren effektiven Durchschnittsrenditen betrifft. Und allein die langfristige
effektive Durchschnittsrendite entscheidet darüber, ob und wieviel Sie für Ihr Alter
real vorsorgen. Ob Sie
tatsächlich Vermögen bilden oder wieder nur ein weiteres Mal der Milchmädchenrechnung staatlicher Förderung erliegen.
Gerade wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein sogenanntes »Riester-Produkt« zu wählen, eher sich aufschwatzen zu lassen, empfehle ich Ihnen
dringend, vorher finanzielle Kompetenz zu erwerben und endlich einmal systematisch die Grundsätze der Vermögensbildung und damit auch der Altersvorsorge kennenzulernen - und dann
anzuwenden.
Zurück zu Ihrer Frage: Das sollten Sie genau dann tun, wenn die staatlich geförderte Anlageform inklusive ihrer Förderung langfristig eine höhere effektive Durchschnittsrendite erwarten läßt als das langfristige und zielorientiert gestreute Ratensparen in Beteiligungspapiere. Das jedoch trifft für keine staatlich geförderte Anlageform zu! Vergessen Sie dabei nicht: Der sogenannte Erwartungswert für die Rendite einer Anlageform umfaßt auch schon das Risiko. Das heißt hier: Die Renditen der verglichenen Anlageformen sind bereits mit ihren Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichtet!
Also deutliche Antwort: Nein! Kümmern Sie sich überhaupt nicht um die etwaige »staatliche« Förderung einer Anlageform, kümmern Sie sich ausschließlich um die langfristige effektive Durchschnittsrendite! Allein diese Zielorientierung entscheidet über Ihre Vermögensbildung und entsprechend über Ihre Altersvorsorge, über Ihre finanzielle Unabhängigkeit und über Ihre finanzielle Sorglosigkeit.
Frage 4: Kann ich nicht mit Index-Fonds, Index-Zertifikaten oder Dachfonds aufgrund ihrer langfristig steigenden Entwicklung einfacher, billiger und sicherer Vermögen bilden?Antwort: Nein. Erstens können Sie mit solchen Anlageformen genauso einfach und kaum günstiger Ihre Ersparnisse relativ kontinuierlich erhöhen, aber Vermögen bilden Sie damit später bzw. langsamer bzw. weniger. Denn zum einen verzichten Sie mit solchen Anlageformen weitgehend auf den langfristig bedeutsamen Cost-Average-Effekt von volatilen Kursen und zum anderen verzichten Sie dann auch auf die enorm wichtige Chancenerhöhung durch zielorientierte Streuung.
Zweitens sind solche Anlageformen nicht sicherer, sondern
riskanter, weil die weniger deutliche Senkung des durchschnittlichen Einstandspreises dauerhaft die Gefahr erhöht, daß zum gewünschten Verkaufszeitpunkt der Kurs unter Ihrem durchschnittlichen Einstandspreis liegt und Sie dann bei tatsächlichem Verkauf einen Verlust realisieren würden. Machen Sie sich auch das mithilfe des
Cost-Average-Effekts klar.
Frage 5: So wie ich über Aktienfonds streuen kann, läßt sich doch auch über Aktien selbst streuen, nur mit dem Ergebnis einer noch höheren Volatilität und einer höheren Durchschnittsrendite (solange ich zielorientiert streue). Sollte ich deshalb nicht lieber so schnell wie möglich direkt in Aktien investieren statt in Aktienfonds?Antwort: Ja und Nein. Nein, wenn Sie die Zielsetzung haben, die mit finanzieller Kompetenz verbunden ist: sich
möglichst schnell, aber vor allem
sicher,
nebenbei und
mit Freude ein Vermögen zu schaffen.
Ja, wenn Sie sich die Mühe machen und vielleicht sogar den Streß antun wollen, über all die Jahre hinweg die sogenannten Fundamentaldaten der betreffenden Unternehmen und ebenso gesamtwirtschaftliche Rahmendaten zu beobachten (wie es ein gutes Fondsmanagement tut). Und wenn es Ihnen emotional und finanziell leichtfällt, den möglichen Totalverlust des Anteilsbestands einer Aktie zu verkraften (denn das kann Ihnen dann trotzdem noch passieren). Falls Sie den Nervenkitzel mit Ihrem eigenen Geld lieben oder er Ihnen zumindest nichts ausmacht, und falls Sie jeden Monat genügend Geld für die zielorientierte Streuung übrig haben und haben werden, dann können Sie direkt in Aktien investieren. Aber um möglichst schnell
sicher Vermögen zu bilden, sollten die ersten fünf Anlagetitel Aktien
fonds sein.
Merksatz: Ein Basisportfolio von fünf zielorientiert gestreuten Aktienfonds dient der Sicherheit Ihrer Altersvorsorge! Noch eines zur Klarstellung: Sie sollen
nicht nach möglichst hoher Volatilität streben (was ich aus Ihrer Frage heraushöre). Der Cost-Average-Effekt zeigt, daß Volatilität zu einem Geschenk führt, welches Sie erhalten, wenn Sie regelmäßig eine identische Sparrate investieren. Aber Volatilität selbst ist nicht das Geschenk, sondern der Cost-Average-Effekt, der davon abhängt,
wie stark,
in welche Richtung und
wie häufig der Kurs schwankt. Und das werden Sie erst ex post, also
im nachhinein wissen.
Merksatz: Im Rahmen der Investmentart Vermögensbildung ist Volatilität etwas Positives. Freuen Sie sich darüber!Aber das Streben nach möglichst
hoher Volatilität ist ähnlich unsinnig wie die gezielte
Vermeidung von Volatilität.
Im übrigen ist es doch ohnehin nicht ehrenhaft, danach zu streben, Geschenke zu erhalten, nicht wahr? Aber wir sollten für ein Geschenk
dankbar sein. Entsprechend müßten wir uns über Volatilität
freuen, statt sie gezielt zu vermeiden, wie es immer noch die meisten Menschen tun, indem sie nach möglichst kursstabilen Anlagetiteln streben und deshalb primär Rentenpapiere oder wenigstens »Blue Chips«, Index-Fonds, Index-Zertifikate oder Dachfonds wählen.
Wonach Sie streben sollen: Daß Sie sich schon ex ante, also von vornherein, die Chance auf eine hohe effektive Durchschnittsrendite bewahren. Diese kann durch hohe Volatilität über die vermeintliche Durchschnittsrendite hinaussteigen, muß es jedoch nicht zwangsläufig. Aber seien Sie unbesorgt: Der durch Volatilität überhaupt erst ermöglichte Cost-Average-Effekt ist in jedem Fall positiv. Also streben Sie nach Ratensparen in volatile Beteiligungspapiere!
Frage 6: Ich habe gehört, daß Sie von Kurs-Charts nichts halten. Aber meine Bank, mein Finanzberater, alle Zeitungen und Anlegermagazine und ebenso Börsensendungen im Fernsehen verwenden doch Kurs-Charts als Grundlage ihrer Marktanalysen und Prognosen. Sind die Ihrer Meinung nach alle dumm oder was?Antwort: Auf keinen Fall. Der im Standardwerk »Die Grundsätze der Vermögensbildung und Altersvorsorge« enthaltene Abschnitt »Das Mißverständnis der Chartisten« macht neben vielem anderen auch deutlich, warum Charts allenfalls für
historische Analysen nützlich sein können, aber nicht für Prognosen der zukünftigen Kurs- oder Marktentwicklung.
Merksatz: Anlageerfolge sind immer historisch. Merksatz: Wenn Sie von einem »Anlage-Experten« erfahren, dann war er ein Experte.Ob er es zukünftig mal wieder sein wird, und mit welchen Anlagetiteln, und für welchen zukünftigen Zeitraum, all das können Sie nur mutmaßen.
Von jenen, die sich offen als Chartisten zu erkennen geben, gibt es zwei Gruppen: die »Anführer« und den Rest. Die Anführer publizieren Charts und werben für Chartgläubigkeit mit dem Ziel, daß möglichst viele Investoren den bekannten oder kommunizierten theoretischen Konzepten und Prognoseregeln folgen. Die Anführer sind fähig, sich neue Indizien und theoretische Konzepte zur nachträglichen Legitimierung vorher eingetretener Kursverläufe auszudenken, wenn sich ihre Prognosen als falsch erwiesen. Die Anführer verfolgen das Ziel, daß ihre Prognosen zukünftig zutreffen,
wissen aber genau, daß sie ihr Ziel nur auf dem Wege einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung erreichen können: Wenn genügend Investoren ihrer Prophezeiung Beachtung schenken und entsprechend investieren oder desinvestieren, wird sich die Prophezeiung erfüllen. Das macht die Anführer reicher. Der Großteil vom Rest der Chartisten erfährt die jeweils aktuelle Prophezeiung zu spät und wird ärmer.
Auch gibt es genügend Menschen, die den Anführern unter den Chartisten einen »Strich durch die Rechnung« machen, indem sie dem Rest der Chartisten solche Zusammenhänge aufzeigen. Dadurch erweisen sich regelmäßig nicht einmal die
kurzfristigen Prognosen als zutreffend, die mittel- bis langfristigen Prognosen schon allein wegen der Umweltdynamik nicht. Die Umweltdynamik läßt systematisch richtige Kursprognosen nicht zu. Und sie läßt den Rest der Chartisten an den ursprünglichen Prognosen zunehmend zweifeln, manchmal sogar
verzweifeln.
Merksatz: Chartgläubigkeit ist sinnlos, weil die Umweltdynamik systematisch richtige Kursprognosen nicht zuläßt.Aber mit
Zufallserfolgen können Sie kein Vermögen bilden. Manche kapieren das erst, wenn sie alt und
immer noch arm sind!
Frage 7: Sie schreiben über die Bedeutung des Cost-Average-Effekts für die Rendite und die Sicherheit eines Anlagetitels. Kürzlich habe ich aber gelesen, daß Wissenschaftler der Universität Mannheim jetzt herausgefunden haben wollen, daß der Cost-Average-Effekt ein »Mythos« sei. Ich möchte nicht warten, bis ich irgendwann von einem anderen Wissenschaftler wieder eine Gegendarstellung lese. Ich möchte lieber jetzt von Ihnen wissen, wie es überhaupt sein kann, daß Sie den Cost-Average-Effekt als bedeutsam darstellen und ein anderer Experte sagt, es gibt gar keinen Cost-Average-Effekt?Antwort: Vermutlich haben wir dieselbe Berichterstattung gelesen. Clickt man auf die Webseiten des betreffenden »Experten«, so wird deutlich, daß er die
Existenz des Cost-Average-Effekts gar nicht leugnet, nur dessen
praktische Relevanz. Für einen gelernten Mathematiker wäre es auch besonders erstaunlich, wenn er
tatsächlich zu dem Ergebnis käme, »es gibt keinen Cost-Average-Effekt«, handelt es sich doch gerade beim
Cost-Average-Effekt um einen einfachen mathematischen Zusammenhang!
Liest man in seiner 17-seitigen »Forschungsarbeit für die Praxis« die Begründung für die Aufsehen erregende, aber
alte und
falsche Leugnung des Cost-Average-Effekts (wohlgemerkt, selbst aus seiner eigenen Sicht), so werden gleich mehrere Denkfehler offensichtlich. Kurz zusammengefaßt: er argumentiert in einer spezifischen
Modellwelt, auf die sich der Cost-Average-Effekt gar nicht bezieht. Wie soll er ihn dann entdecken können?
Ausführlicher: Erstens steht schon im
Artikel über die Merkmalsausprägungen der beiden Investmentarten, daß sich der Cost-Average-Effekt auf den Vergleich der regelmäßigen Investition einer identischen
Sparrate einerseits und den regelmäßigen Kauf einer identischen
Anteilsstückzahl andererseits bezieht,
nicht auf den Vergleich von Ratensparen und Einmalanlage. Ein direkter Vergleich von Ratensparen und Einmalanlage würde ja auch überhaupt keinen Sinn machen, weil es sich dabei um zwei völlig verschiedene Investmentarten handelt! Wer den Cost-Average-Effekt dennoch auf den Vergleich von Ratensparen und Einmalanlage
anwendet, sollte sich bewußt sein, daß er fortan nicht mehr den Effekt selbst untersucht, sondern einen anderen Sachverhalt.
Leider gibt es in Wissenschaft und Praxis immer wieder jemanden, der den Begriff »Cost-Average-Effekt« irgendwo »aufschnappt«, ihn für andere Sachverhalte mißbraucht und dann die entsprechend
falschen Erkenntnisse veröffentlicht.
Zweitens übersieht jener »Experte«, daß schon aus methodischen Gründen, die noch gar nichts mit Finanzwirtschaft zu tun haben, strikt zwischen den beiden Investmentarten Vermögensbildung und Vermögensverteilung unterschieden werden muß. Da er ungeachtet dieser Tatsache in spezifischen Modellen argumentiert, die
sowohl Elemente aus der realen Welt der Vermögensbildung
als auch aus der realen Welt der Vermögensverteilung enthalten, kann er
keine richtigen Aussagen treffen. Dazu sind Ziel, Handlungsrestriktionen, Handlungsergebnisse und so entscheidende Bewertungskriterien wie Rendite und Risiko bei den beiden Investmentarten zu unterschiedlich.
Beispielsweise hat die von jenem »Experten« als vorteilhaft gepriesene »Buy&Hold-Strategie« in der von ihm verstandenen Form für Vermögens
bilder (und damit für 99% aller Menschen) überhaupt keine praktische Relevanz, weil diese noch gar kein Vermögen haben, das sie verteilen könnten. Ebenso scheidet für sie die von ihm in seiner spezifischen Modellwelt als vorteilhaft gepriesene »dynamische Optimierung« aus, weil die große Mehrheit der Menschen
sicher und
nebenbei Vermögen bilden und für das Alter vorsorgen will, aber gewiß nicht ständig einer vermeintlichen Optimierung nachjagen will.
Vermeintliche Optimierung, weil sich nachweisen läßt, daß »dynamische Optimierung« im Rahmen der Vermögensbildung ein Trugschluß ist, jedenfalls nur
zufällig zu einem höheren Endvermögen führt. Das liegt daran, daß im Rahmen der Vermögensbildung die Renditebedeutung im Zeitverlauf
zunimmt, nicht wie bei der Vermögensverteilung
abnimmt, und daß die
effektive Durchschnittsrendite das zukünftige Vermögen bestimmt. Siehe hierzu im
Artikel über die Merkmalsausprägungen der beiden Investmentarten die Merkmale »Renditefokussierung«, »Renditebedeutung« und »Kurssturz«.
Drittens bleibt bis zur letzten Seite der »Forschungsarbeit für die Praxis« offen, welches Renditemaß für die Analyse des Cost-Average-Effekts relevant ist. Aber wie will jemand den Cost-Average-Effekt identifizieren, wenn er nicht weiß, wie er ihn messen soll? Für den Großteil aller Ersparnisse des Großteils aller Menschen, nämlich für alle Ersparnisse zur langfristigen finanziellen Vorsorge für die Zukunft (Vermögensbildung und Altersvorsorge) ist allein die
effektive Durchschnittsrendite zum Ende der Ansparzeit aussagekräftig, weil nur diese die Effizienz der Vermögensbildung bzw. Altersvorsorge vor Augen führt und den richtigen Vermögensbetrag ergibt. Und mit der effektiven Durchschnittsrendite läßt sich dann auch in der realen Welt
bei jedem beliebigen Kursverlauf der Cost-Average-Effekt nachweisen, und sogar in der spezifischen Modellwelt der betreffenden »Forschungsarbeit für die Praxis«.
In ex-post-Sicht, also für eine bereits abgeschlossene Ansparzeit, geht es um die tatsächlich
realisierte effektive Durchschnittsrendite. Und in ex-ante-Sicht, also für die Entscheidung zu Beginn der Ansparzeit, geht es entsprechend um die
realisierbare effektive Durchschnittsrendite zum Ende der geplanten Ansparzeit. Für die Frage der Realisierbarkeit sind sämtliche historischen Erfahrungen und (wegen der Umwelt
dynamik) zusätzlich methodische und anreiztheoretische Überlegungen zu berücksichtigen, wenn man
sicher und
möglichst schnell (nämlich noch während eines Lebens) Vermögen bilden oder für das Alter vorsorgen will.
Viertens steht schon auf diesen frei zugänglichen Webseiten, daß sich der Cost-Average-Effekt immer
individuell auf einen Anlagetitel bezieht (eine bestimmte Aktie, einen bestimmten Aktienfonds), und daß die Größe des Effekts nicht von der
Höhe der Volatilität abhängt, sondern davon,
wie stark,
in welche Richtung und
wie häufig der betreffende Kurs schwankt (was man alles erst
im nachhinein weiß). Ein zwingender Zusammenhang von Volatilität und Cost-Average-Effekt ist eine Illusion. Der Cost-Average-Effekt ist aber aus mathematischen Gründen zwangsläufig
positiv. Das heißt zunächst nur, daß der durchschnittliche Einstandspreis
immer sinkt,
egal wie der Kurs verläuft, ob er nun fällt, um einen bestimmten Kurs herum schwankt oder steigt.
Bei der Entscheidung zu Beginn der Ansparzeit (ex ante) geht es also
nicht darum, Anlageformen und Anlagetitel mit möglichst
hoher Volatilität zu wählen, sondern darum, diese nicht in dem Trugschluß zu
meiden, Volatilität würde schaden - wie es immer noch Millionen irregeführter Menschen glauben und tun, indem sie nach möglichst kursstabilen Anlagetiteln streben und
deshalb Rentenpapiere oder wenigstens »Blue Chips«, Index-Fonds, Index-Zertifikate oder Dachfonds wählen.
Fünftens steigt
naturgemäß die effektive Durchschnittsrendite, wenn der durchschnittliche Einstandspreis sinkt. Denn mit sinkendem durchschnittlichem Einstandspreis wird der Abstand zum Verkaufskurs größer,
egal wie hoch oder niedrig der Verkaufskurs zum Verkaufszeitpunkt ist. Dadurch steigt der Gewinn und entsprechend die effektive Durchschnittsrendite.
Sechstens bewirkt der Anstieg der effektiven Durchschnittsrendite
naturgemäß eine Risikosenkung, nämlich eine Senkung des gewichteten Gesamtrisikos, also des Renditerisikos. Denn je höher die effektive Durchschnittsrendite, desto wahrscheinlicher ist es, daß sie die Kaufkraftverluste überkompensiert.
Siebtens erfordert die ex-ante-Entscheidung für das Ratensparen gerade
nicht die ex-post-Kenntnis des Kursverlaufs, schon gar nicht eine »nachträgliche Volumenanpassung«, wie der betreffende »Experte« behauptet. Genau umgekehrt ist es richtig: Gerade
weil niemand den zukünftigen Kursverlauf kennen kann, ist es schon in ex-ante-Sicht (im vorhinein) optimal, sich für die Investmentmethode Ratensparen zu entscheiden, solange man
sicher und
nebenbei Vermögen bilden oder für das Alter vorsorgen will (was fast alle Menschen wollen).
Im übrigen zeigt auch jene »Forschungsarbeit für die Praxis« wieder einmal, wie wichtig es ist, daß man die Unterschiede zwischen den beiden Investmentarten kennt und daß man den Cost-Average-Effekt
genau verstanden hat, bevor man darüber schreibt. Auch zeigt sich, wie entscheidend die exakte sprachliche Ausdrucksweise ist, wenn
dauerhaft gültige Aussagen getroffen werden sollen (wie in einem
Gesetz).
Insgesamt wiederholt jener »Experte« also nur das wissenschaftlich längst veraltete Argumentationsniveau aus dem vorigen Jahrtausend. Mit dem Unterschied, daß er glaubt, den Cost-Average-Effekt »zweifelsfrei zu widerlegen«, dabei aber übersieht, daß er gar nicht über den Cost-Average-Effekt selbst spricht und darüber hinaus in seinem Simulationsmodell eine spezifische ex-post-Situation für eine allgemeine ex-ante-Argumentation mißbraucht. Das hat mit »Praxisrelevanz« wenig zu tun.
Fazit: Lassen
Sie sich nicht länger verwirren und irreführen. Welch erhebliche qualitative und quantitative Bedeutung der Cost-Average-Effekt bei volatilen Kursen langfristig erlangen kann, läßt sich an zahllosen didaktischen und empirischen Kursverläufen gut erkennen. Der sich
im nachhinein regelmäßig als viel höher erweisende Vermögensbetrag und damit auch der erhebliche Unterschied zwischen effektiver und vermeintlicher Durchschnittsrendite lassen sich nur auf den infolge der Kursschwankungen gesunkenen durchschnittlichen Einstandspreis zurückführen. Und die Senkung des durchschnittlichen Einstandspreises hatten wir in den Grundlagen als Cost-Average-Effekt kennengelernt.
Der Cost-Average-Effekt ist natürlich nur ein
Teilaspekt wahrer Vermögensbildung und effizienter Altersvorsorge. Aber ihn zu leugnen, ist falsch und irreführend.
Frage 8: Was sind die entscheidenden Fehler bei der Befolgung von »gutgemeinten« Ratschlägen zur Vermögensbildung und Altersvorsorge?Antwort:
1. Es werden Ihnen
verschiedene Anlageformen empfohlen - obwohl nur
eine noch während Ihres Lebens
sicher zu Vermögen führen kann, nämlich Beteiligungspapiere.
2. Es werden Ihnen
konkrete Wertpapiere empfohlen - obwohl solche konkreten Wertpapier-Tips aus zahlreichen Gründen schon methodisch mangelhaft sind.
3. Es werden Ihnen die Anlagetitel mit einer
bislang relativ »hohen« Rendite empfohlen - obwohl Sie gerade mit jenen Anlagetiteln Vermögen bilden, die erst
zukünftig eine »hohe« Rendite erreichen, aber bislang (und möglichst auch vorläufig) nur eine geringe Rendite erzielen.
4. Es wird Ihnen empfohlen, noch während Ihrer Ansparzeit »Gewinne mitzunehmen«, wenn die »Situation« dafür geeignet erscheint - obwohl Vermögensbildung und Gewinnrealisierung sich gegenseitig ausschließen.
5. Es wird Ihnen suggeriert (unbemerkt eingeredet), daß Sie »in ein paar Jahren« (oder innerhalb von sieben Jahren) reich werden - obwohl es nur seriös ist, dies innerhalb von etwa 20 Jahren in Aussicht zu stellen. Und das auch nur, falls Sie die Vermögensbildung exakt in der hier beschriebenen Art und Weise betreiben.
6. Es wird Ihnen empfohlen, Ihre Ersparnisse »in Abhängigkeit von der jeweiligen Börsensituation anzulegen« - obwohl es für Vermögensbildung gerade
nicht auf die Börsensituation ankommt, sondern nur auf Ihre
persönliche Situation.
7. Es wird Ihnen empfohlen, »von Zeit zu Zeit umzuschichten« - obwohl gerade die
langfristige und
regelmäßige Investition in
dieselben Anlagetitel zu Vermögen führt.
8. Es wird Ihnen (spätestens nach einem erneuten Aktien-Crash) empfohlen, aus vermeintlichen »Sicherheitsgründen« auch Geld in Rentenpapieren »anzulegen« - obwohl diese für
langfristige Ersparnisse gerade sehr
wenig Sicherheit bieten! Und Vermögen läßt sich damit keinesfalls bilden.
9. Es wird Ihnen empfohlen, »breit zu streuen« - obwohl Streuung kein Selbstzweck ist und nur eine
zielorientierte Streuung sicherstellen kann, daß Sie Ihr Ziel nicht verfehlen.
10. Es wird Ihnen empfohlen, über verschiedene Anlagetitel zu streuen - obwohl eine solche Streuung noch gar keine hinreichende Sicherheit für Ihr zukünftiges Vermögen bietet; dazu müssen Sie nämlich auch noch über Kontinente, Länder, Branchen, Währungen, Depotbanken und Investmentgesellschaften streuen, und ausschließlich jene Anlagetitel wählen, für die Sie jeweils
irgendwann während der geplanten Ansparzeit eine »hohe« Rendite erwarten.
11. Es wird Ihnen empfohlen, Ihr Geld in Indexfonds, Indexzertifikate oder Dachfonds zu stecken, weil das
vermeintlich sicherer, einfacher und kostengünstiger sei - obwohl das gerade
keine zielorientierte Streuung,
nicht sicherer und
nicht einfacher ist und zu einer
geringeren Rendite und entsprechend
geringerem Vermögen führt.
12. Es werden Ihnen Renditen gezeigt und vorgerechnet, die nur für Vermögens
verteilung richtig sind (falls überhaupt) - obwohl für Sie als Vermögens
bilder allein die
effektive Durchschnittsrendite relevant ist.
13. Es wird Ihnen
Angst gemacht und empfohlen, keinesfalls alle Ihre langfristigen Ersparnisse in Aktien und Aktienfonds zu investieren, weil »die Börse ja auch mal wieder sinkt« und das »dauerhaft« so bleiben könne - obwohl für Sie als Vermögensbilder
fallende Aktienkurse gerade
positiv sind und Sie irgendwann umso reicher machen, selbst wenn der ursprüngliche Kurs
nie mehr erreicht wird! Die Gründe werden insbesondere am Cost-Average-Effekt deutlich.
Darüber hinaus haben Sie als Vermögensbilder für solche vorübergehenden Crash-Zeiten zuvor Ihr
Finanzpolster beiseite gelegt. Drittens wissen Sie als Vermögensbilder, warum die Kurse von Beteiligungspapieren
langfristig und
allgemein immer mal wieder steigen werden, solange es Beteiligungspapiere gibt. Und viertens haben Sie als Vermögensbilder
zielorientiert gestreut, weil Ihnen bewußt ist, daß
niemand ex ante (im vorhinein) weiß, wie sich ein bestimmter Kurs zukünftig entwickeln wird (obwohl sich Chartisten hartnäckig bemühen, Sie vom Gegenteil zu überzeugen).
14. Sie werden eindringlich daran erinnert, daß »die eigenen vier Wände die beste Altersvorsorge« sind und Ihnen wird suggeriert (unbemerkt eingeredet), daß »Immobiliensparen« oder »Bausparen« dafür notwendig und richtig sei - obwohl gerade nur die
eigenen vier Wände die beste Altersvorsorge sind und Sie über Bausparen und anschließende Baufinanzierung weder Ihre
eigenen vier Wände noch eine gute Altersvorsorge erreichen. Alles, was Sie damit erreichen, sind eine schockierend niedrige Verzinsung Ihrer Ersparnisse und Ihre lebenslange
Verschuldung (die Sie in der Regel bis in das hohe Alter wirtschaftlich
abtragen und emotional und seelisch
ertragen müssen).
Diese Fehlerliste im Zusammenhang mit der bislang typischen »Finanzberatung«, »Anlageberatung« und »Vermögensberatung« ist gewiß nicht einmal vollständig und diese Fehler sind deshalb
entscheidend, weil sie
Ihre Zielerreichung verhindern, nämlich Ihre beiseite gelegte Kaufkraft real und deutlich zu erhöhen, oder anders gesagt: Vermögen zu bilden und effizient für das Alter vorzusorgen. Und das
sicher,
möglichst schnell,
nebenbei und
mit Freude.
Viele weitere Fragen und Antworten finden Sie im Rahmen der
FAQ zum Standardwerk.
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