Autor Thema: Grundbegriffe finanzieller Kompetenz  (Gelesen 4044 mal)

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Grundbegriffe finanzieller Kompetenz
« am: Mai 21, 2004, 04:22:27 Nachmittag »

Grundbegriffe finanzieller Kompetenz
 

Aktie
Als Wertpapier verbriefter Anteil an einem bestimmten Unternehmen.

Aktienfondsanteil
Wertpapierähnlich verbriefter Anteil am Fondsvermögen einer Investmentgesellschaft, welches vorrangig aus Aktien (Unternehmensbeteiligungen) besteht.

Anlageform
Die Art und Weise, in der Kaufkraft in fremde Hände gegeben wird, zum Beispiel: Sparbuch, Sparvertrag, Kapitallebens- oder Rentenversicherung, Bundesschatzbriefe, Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Bausparvertrag, Goldbarren, Schweinebauchhälften.

Anlagetitel
Das konkrete Produkt, in das die Ersparnisse investiert oder angelegt werden. Zum Beispiel eine bestimmte Anleihe, Aktie oder Lebensversicherung, ein bestimmter Investmentfonds, Bank- oder Bausparvertrag.

Ansparzeit
Zeitraum von der Investition der ersten Sparrate bis zum Liquidierungszeitpunkt (Verkauf des angesammelten Anteilsvermögens) bzw. bis zum Erreichen des angestrebten Vermögenswertes.

Anteilsvermögen
Allgemein: Die in Beteiligungspapiere investierten oder in bestimmten Forderungspapieren angelegten Ersparnisse. Im Rahmen der Vermögensbildung handelt es sich immer um investierte Ersparnisse. Dann ist Anteilsvermögen kein Geldvermögen! Deshalb sind schon semantisch Verluste infolge eines Kurssturzes unmöglich, weil der erworbene Unternehmensanteil vollständig erhalten bleibt. Somit können Sie durch einen Kurssturz auch kein Geld verlieren. Wenn Sie Geld verlieren wollen, müssen Sie Geld oder Geldforderungen halten, keine Unternehmensanteile.

Baisse
Längerfristiges und allgemeines Absinken der Börsenkurse.

Beteiligungspapiere
Anteile an Unternehmen als Mitinhaber, Miteigentümer oder Mitgesellschafter, die als Wertpapiere (insbes. Aktien) oder wertpapierähnlich (insbes. Aktienfonds) verbrieft sind.

Chart
Graphische Darstellung des historischen, zeitpunktbezogenen Kursverlaufs eines bestimmten Marktes oder Handelsobjektes.

Cost-Average-Effekt
Die durch regelmäßige Investitionen einer identischen Sparrate in volatile Anlagetitel erreichte, zwangsläufige Senkung des durchschnittlichen Einstandspreises (Kaufkurses).

Crash
Stoßweiser Kursverfall eines Anlagetitels oder der Börsenkurse allgemein durch übertriebenen Börsenpessimismus.

Depotbank
Siehe unter Investmentgesellschaft.

Dynamisierung
Regelmäßige (zum Beispiel jährliche) Erhöhung der Sparraten (Grundsparen) um einen bestimmten Prozentsatz.

Einmalanlage
Idealtypisch: Einmalige Investition oder Anlage eines beliebigen Sparbetrags in eine beliebige Anlageform.
Realtypisch:  Auch »Event-Investments«.

Event-Investments
Unregelmäßige Investitionen oder Anlagen variierender Sparbeträge in verschiedene Anlagetitel.

ex ante
Im vorhinein. Mit heutigem Wissen in die Zukunft geblickt.

ex post
Im nachhinein. Mit heutigem Wissen in die Vergangenheit geblickt.

Finanzpolster
Notwendige Liquidität (frei verfügbares Geld) als Mindestschutz, um auf die Verfügbarkeit investierter Ersparnisse verzichten zu können. Das Finanzpolster ist ausschließlich für unerwartete notwendige Ausgaben und den vorübergehenden Einkommensverlust reserviert.

Forderungspapiere
Hier im weiten Sinne zu verstehen als Wertpapiere oder andere Urkunden, die das Recht einer Geldforderung verbriefen: z.B. Sparbuch, Sparvertrag, Bausparvertrag, Kapitallebens- und Rentenversicherung, Bundesschatzbriefe, Anleihen und andere Schuldverschreibungen, Renten- und Geldmarktfonds.

Gesetz
Ein Gesetz ist die »Festsetzung der Merkmale des Erkenntnisgegenstands und deren Zusammenhänge«. Diese müssen unabhängig von anderen Individuen und deren Verhalten für jeden Menschen (»universell«) gültig sein. Entsprechend ist das ReichtumsG® auch tatsächlich ein Gesetz. Es heißt nur deshalb nicht »VermögensbildungsG«, weil jenes schon früher existierte (und übrigens nur im eingeschränkten juristischen Sinne ein Gesetz ist).

Grundsparen
Regelmäßiges Sparen (und Investieren) eines bestimmten Prozentsatzes (mindestens 10%) von allen regelmäßigen Einnahmen, also insbesondere vom Lohneinkommen.

Hausse
Längerfristiges und allgemeines Ansteigen der Börsenkurse.

Hype
Stoßweise Kursexplosion eines Anlagetitels oder der Börsenkurse allgemein durch übertriebene Börseneuphorie.

Inflation
Geldentwertung, Kaufkraftverlust.

Investmentart
Es sind zwei Investmentarten zu unterscheiden: Vermögensbildung und Vermögensverteilung.

Investmentgesellschaft
Investmentgesellschaften müssen in Deutschland nach dem Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) das ihnen zur Verfügung gestellte Kapital ebenso wie die damit erworbenen Wertpapiere von einer Korrespondenzbank (Depotbank) als Sondervermögen verwalten und verwahren lassen. Das Sondervermögen ist sowohl räumlich als auch wirtschaftlich strikt vom eigenen Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt und wird deshalb selbst bei Konkurs derselben den Anteilsinhabern in voller Höhe zurückgezahlt.

Investmentmethode
Für beide Investmentarten lassen sich verschiedene Investmentmethoden definieren. Die im Standardwerk dargestellte Investmentmethode für die Vermögensbildung lautet stark vereinfacht: Langfristige und regelmäßige Investitionen in wenigstens fünf international gestreute Aktienfonds, die jeweils volatil sind und für die jeweils irgendwann während der geplanten Ansparzeit eine »hohe« Rendite erwartet wird. Als zusätzliche Anlagetitel zur weiteren Streuung können dann Aktien gewählt werden.

Investmentsparen
Siehe Ratensparen.

ISIN
International Securities Identification Number (ehemals Wertpapier-Kennummer).

KAG
Kapitalanlagegesellschaft, siehe Investmentgesellschaft.

konstitutiv
Etwa »begründend« oder »zwingend«.

nominal
Der »Name« eines Geldscheins oder einer Münze, also der aufgedruckte nominale Wert, bleibt auch bei Inflation immer gleich.

Offene Fonds
Fonds, die allen Investoren in (zunächst) unbeschränkter Höhe zur Investition offenstehen.

Opportunitätskosten
Entgangener Gewinn, entgangener Mehrertrag einer Alternativinvestition.

Performance
Wertentwicklung eines Anlagetitels oder einer Anlageform in einem bestimmten Zeitraum. Dieser Begriff wird oft auch im Sinne von »Leistung« eines Fondsmanagements verwendet.

Ratensparen
Im Rahmen der Vermögensbildung ist Sparen nach Erwerb des Finanzpolsters zwangsläufig mit Investieren verbunden.
Idealtypisch deshalb: Regelmäßige Investitionen einer identischen Sparrate in denselben Anlagetitel der Anlageform Beteiligungspapiere.
Realtypisch: Auch wiederkehrende Investitionen variierender Sparbeträge in denselben Anlagetitel der Anlageform Beteiligungspapiere.

real
Die Kaufkraft eines Geldscheins oder einer Münze, also der reale Tauschwert, sinkt bei Inflation.

Reichtum
Plakatives Kurzwort für finanzielles Vermögen, finanzielle Unabhängigkeit, finanzielle Sorglosigkeit, Wohlstand.

Rendite
Die zumeist auf ein Jahr oder einen Monat bezogene Wertentwicklung eines Anlagetitels oder einer Anlageform. Für die beiden Investmentarten Vermögensbildung und Vermögensverteilung hat die Rendite eine unterschiedliche zeitliche Bedeutung und ist auch unterschiedlich zu berechnen (siehe im Formelüberblick).

Rendite-Risiko
Das »RVG-Risiko« kann im Rendite-Risiko zusammengefaßt werden, welches dann das gewichtete Gesamtrisiko einer Anlageform oder eines Anlagetitels darstellt.

RVG-Risiko
Kurzwort für die drei maßgeblichen Risiken für Ersparnisse, also für alle beiseite gelegte Kaufkraft: Rückzahlungs-, Vermehrungs- und Geldwertstabilitätsrisiko.

Standardwerk
Ein »Standard« ist nach seiner Wortherkunft eine »herkömmliche Normalausführung, die der Vereinheitlichung und Normung dient und ein Zeichen setzt (Standarte, Flagge)«. Das ist unabhängig von dessen Verbreitung und Verwendung. So ist auch die libanesische Flagge ein »Standard«, obwohl sie hierzulande kaum jemand kennt.

Stichtagsrelevanz
Die Position eines Anlagetitels in einer Performance-Liste hängt ganz erheblich vom gewählten Stichtag für die Kurse ab. Bei volatilen Anlagetiteln kann der gewählte Stichtag sogar darüber entscheiden, ob ein bestimmter Anlagetitel an erster oder letzter Position in der Performance-Liste steht.

Umweltdynamik
Änderungen der Umweltbedingungen vor allem in technischer, wissenschaftlicher, rechtlicher, politischer, binnen- und außenwirtschaftlicher sowie soziokultureller Hinsicht. Umweltdynamik kann im Gegensatz zur Komplexität nicht systematisch richtig antizipiert (planerisch vorweggenommen) werden.

Vermögensbildung
Langfristiges, zielorientiert gestreutes Ratensparen in Beteiligungspapiere.

Vermögensverteilung
Aufteilung eines vorhandenen Vermögens auf verschiedene Anlageformen oder Anlagetitel (als Einmalanlage oder als »Event-Investments«).

Volatilität
Wert- bzw. Kursschwankungen eines Anlagetitels oder einer Anlageform in einem bestimmten Zeitraum. Entscheidend ist, wie stark, in welche Richtung und wie häufig der Kurs schwankt. Die Volatilität wird üblicherweise als »Standardabweichung« ermittelt, obwohl eine zweckmäßigere Berechnung möglich ist (siehe im Formelüberblick).

Wertentwicklung
Wert- bzw. Kursveränderung eines Anlagetitels oder einer Anlageform in einem bestimmten Zeitraum.

Zielorientierte Streuung
Jene Streuung, die dem jeweiligen Ziel dient. Für das Ziel der Vermögensbildung heißt das vereinfacht: Streuung über mehrere Anlagetitel der Anlageform Beteiligungspapiere, für die jeweils irgendwann während der geplanten Ansparzeit eine »hohe« Rendite erwartet wird, und gleichzeitig Streuung über Kontinente, Länder, Branchen, Unternehmen, Währungen, Depotbanken und Investmentgesellschaften. Das hört sich schwer realisierbar an, ist aber ganz leicht, wenn als Basisportfolio in fünf entsprechende Aktienfonds investiert wird.

Zusatzsparen
Sparen (und Investieren) eines bestimmten Prozentsatzes (möglichst mindestens 50%) von allen unregelmäßigen Zusatzeinnahmen (Einkommenserhöhungen und Zuwendungen).


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Vermögensbildung verlangt doppelte Bildung. Kompetenzbildung und Kapitalbildung. In dieser Reihenfolge.

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